Vom Missbrauch zu gesunden Beziehungen

Psalm 35,1-3. 15-17; Psalm 43, 1
Ich möchte heute mit dieser Predigt die Themenreihe „inneres Wachstum“ fortsetzen.
In den USA wurden vor Kurzem hunderte neuer Fälle von Kindesmissbrauch durch katholische Priester aufgedeckt. So wurde zum Beispiel ein Junge von einem Priester gezwungen, nackt den gekreuzigten Jesus darzustellen. Einer der höchsten Würdenträger der US-Kirche, der ehemalige Kardinal McCarrick soll über seine gesamte Dienstzeit sexuelle Beziehungen zu jungen Männern unterhalten haben. Er darf das Priesteramt nicht mehr öffentlich ausüben. Die Wut der Gläubigen Katholiken in den USA ist gross. Einige fordern inzwischen, dass alle Bischöfe gemeinsam zurücktreten sollen.
Dieses krasse Beispiel macht deutlich: Diese Welt ist ein gefährlicher Ort zum Leben. Satan geht herumgeht, um Herzen zu brechen, Gefühle abzutöten und Vertrauen zu verraten.
Heute wollen wir uns daher die Frage stellen:
1. Was kann man tun, um zuverhindern, dass Mitmenschen oder wir selber Grenzen überschreiten und andere Menschern missbrauchen?
2. Wie können missbrauchte Menschen Heilung finden?
Gott heilt zerbrochene Herzen
Was ist Gottes Einstellung zu diesem Thema?
• Unser Gott ist ein unendlich bamrherziger Vater.Was immer er tut, ist stets zu unserm Besten. Er hat einen dreifachen Plan um alle schrecklichen Dinge dieser Welt zu beseitigen. Dazu gehört auch der Missbrauch von Menschen.
Der Erste Teil des Planes dient dazu, unsere traurige Vergangenheit zu breinigen. Durch das Opfer am Kreuz hat er alle unsere Schuld bezahlt. Unsere Rechnungen sind beglichen. Es gibt nichts mehr abzubezahlen. „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden haben“ Jesaja 53,5
Der zweite Teil sorgt dafür, dass wir die Herausforderungen des gegenwärtigen Lebens bewältigen können.
• Aus dem himmlischen Heiligtum schickt er seine Engel, um uns in aller Not beizustehen. Er schickt den Heiligen Geist, um seine heilende Liebe in unsere verletzten Herzenzu senden und uns von jeder Lieblosgigkeit zu heilen.
• Gottes Kinder werden zwar oft missverstanden und missbraucht. Dennoch sind sie mit Jesus Sieger im Kampf gegen das Böse. „Sie haben ihn überwunden durch das Blut des Lammes und durch das Wort ihres Zeugnisses.“ Off. 12,11
Im dritten Teil seines Planes sorgt aber für unsere Zukunft. Er wird bald wiederkommen, um uns in die ewige Herrlichkeit zu führen. Aber eines Tages hört das alles auf, was durch die ersten zwei Phasen noch nicht beseitigt werden konnt. Jesus sagte: „Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um jeden nach seinen Werken zu belohnen.“ Off. 22,12
Darum können wir nun sagen: Das Thema Missbrauch ist belastend. Es gibt jedoch keine Zeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in welcher seine heilende Liebe nicht wirksam ist. Es gibt, keinen Umstand und keinen Raum in unserem Leben, den Jesus nicht heilend, tröstend, erfüllen kann und will. Niemand der hier sitzt, ist davon ausgeschlossen. Glaubt ihr das? Lob und Preis sei ihm dafür.
Diese Welt ist ein gefährlicher Ort
Trotz Gottes Güte ist es eine Tatsache, dass viele von uns in diesem Leben vielerlei Leid und Schmerz erfahren. Der erste Missbrauch geschah schon bald nach dem Sündenfall: Kain war eifersüchtig gegen Abel. Sein Zorn führte Gewalt und schliesslich zum Tod seines Bruders.
Seither ist die Welt ein unsicherer Ort. Wir verriegeln die Häuser, die Autos und die Herzen, um nicht wie Abel missbraucht zu werden. Der Geist Kains hat diese Welt durch alle Jahrhunderte bis heute tief geprägt.
Aberwertungen, Respektlosigkeiten, Betrug, Schamlosigkeit, grobes Benehmen gehören zum Alltag. David klagt in den Psalmen worttreich darüber. Das Internet und die Zeitungen berichten heute täglich davon. Bibliotheken sind voller Bücher mit Geschichten davon. Ich selber habe auch einen Rucksack von Missbrauch mitbekommen.
– Ich hatte zweimal Chefs, von denen ich seelisch missbraucht wurde. Der eine war jähzorniger Typ. Was ich als Lehrling falsch machte, führte bei ihm stets zu einem Ausbruch von Fluchworten. Er missbrauchte mich verbal.
– Der andere Chef hatte einen Kontrollgeist. Er kritisierte alles, was ich von mir aus machte, ohne ihn vorher im Detail zu informieren.
– Geistlicher Missbrauch ist eine schreckliche Sache. Mein Burder ist heute religiös traumatisiert, weil mein Vater die Bibel gelesen hatte, um meiner Mutter zu sagen, was sie alles falsch macht.
Man kann sagen: Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte des Missbrauchs von Menschen. Die Unmenschlichkeit des Menschen gegen seine Mitmenschen ist seine grösste Sünde, sagte E.G.White treffend.
Und es wird nicht besser werden. Je näher wir dem Ende der Zeit kommen, wird es immer noch schlimmer. „Die Liebelosigkeit wird überhandnehmen, sagte Jesus voraus (Mat. 24,13)
Wie hilft uns unser Herr in seinem Wort damit umzugehen?
Ich erinnere mich aber auch an Umstände bei denen ich selber ein Täter wurde und selber andere missbraucht habe. Ich wollte ich könnte das rückgängig machen. Aber das geht leider nicht.

Missbrauch erkennen
Es ist zunächst einmal wichtig diese Dinge genau zu erkennen. Vieles davon läuft nämlich im Untergrund ab. An manche Verhaltensmuster haben wir uns so daran gewöhnt, dass wir sie nicht mehr als Missbrauch erkennen. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Missbrauch:
1. Typ A: Passiver oder Vernachlässigungs-Missbrauch. Das ist Missbrauch durch nicht Beachten von Grundbedürfnissen.
• Es gibt Eltern die ihren Kindern keine Wertschätzung oder Liebe zum Ausdruck bringen. Sie drücken sie nie. Sie sagen kaum nette, liebevolle Worte. Andere versorgen ihre Kinder nicht ausreichend mit Essen und sauberen Kleidern.
• Andere setzen ihren Kindern keine Grenzen. Sie fördern ihre Talente nicht. Sie verwöhnen sie stattdessen und bewahren sie vor jeder grösseren Herausforderung.
Dass diese Dinge ebenfalls eine Art von Missbrauch sind und seelischen Schaden zufügen, denkt man oft nicht.
2. Typ B: Aktiver Missbrauch.
Dazu gehören vier Formen: 1) verbaler Missbrauch, 2) körperlicher Missbrauch, 3) sexueller Missbrauch und 4) religiöser Missbrauch.
• Verbaler Missbrauch geschieht durch erniedrigende Worte welche die Würde oder den Selbstwert eines anderen herabsetzt. Dann gibt es noch eine subtilere Form der psychologischen Manipulation. Das beinhaltet andere einzuschüchtern, abzusondern oder zu kontrollieren.
Zu körperlichem Missbrauch gehören alle Arten von groben Behandlungen wie zum Beispiel das Schlagen und Haare reissen.
Zum sexuellen Missbrauch gehört alles, was das Schamgefühl verletzt. Das fängt bei unpassenden Bemerkungen und Berührungen an. Kinder sehen manchmal Dinge, die es nicht sehen sollten. Schliesslich gehören natürlich dazu auch sexuelle Handlungen.
Schliesslich gibt es auch den religiösen Missbrauch. Manchmal wird der strafende Gott als Druckmittel benutzt. Andere benützen Bibeltexte und Ellen White Zitate, um ihre Meinung durchzusetzen. Andere behaupten, Gott habe ihnen Dinge direkt gesagt, die man nun glauben müsse.
Wie geht man damit um? Das ist wichtig zu wissen, denn in unserer sündigen Welt werden wir früher oder später Täter oder Opfer Missbrauch werden.
Eines ist klar: Jesus hat eine Lösung für jedes einzelne dieser Probleme. Er ist der beste Seelenarzt. Gott ist kein Missbraucher der Missbraucher in Ewigkeit missbraucht. In seiner Nähe werden alle heil, missbrauchte Opfer und missbrauchende Täter. Gott liebt sie alle bedingungslos.
Wir sind kein kaputte, wertlose Ware, die einfach weggeworfen werden muss. Vielleicht sind wir seelisch belastet und geschädigt. Dennoch sind wir wertvoll, so wertvoll, dass Gott seinen Sohn für uns hingab. Jesus ist der Preis, den unser Wert zum Ausdruck bringt.
Viele seiner Verheissung gelten daher besonders für missbrauchte Menschen. Es ist nie gefährlich ihm unser Herz unseren Schmerz zu eröffnen. Wo immer eine eiternde Wunde ein bohrender Schmerz oder ein unsagbares Leid mit ihm in Berührung kommt, gibt es Heilung.
Er wartet nur liebevoll und geduldig darauf, unsere unheimliche, unsagbare Not zu heilen. Seine schöpferische Kraft führt dazu, dass traumatischste Wunden des Missbrauchs geheilt werden können.

Schritte zur Heilung von Missbrauch
Wie können wir mit ihm so zusammenarbeiten, dass er seine heilende Wirkungen entfalten kann? Damit seine heilende Kraft wirksam werden kann, müssen wir ihm als erstes unsere Herzenstüren öffnen. Denn er zwingt sich niemals auf. Ich möchte vier Punkte aufzählen:
1. Wir müssen lernen, unseren Schmerz mit ihm teilen, statt ihn zu verleugnen. Es gibt Menschen, die ihre Not erst direkt mit Gott im Gebet besprechen müssen, bevor sie sich einem Menschen zu äussern wagen. Andere müssen erst mit jemandem reden, ehe sie sich trauen, das ganz zu Gott vorzubringen. Wie immer auch. Wichtig ist, dass wir als erstes unsere Not zu Gott bringen.
Wir können ein schönes Tischtuch über einen stinkenden Abfallhaufen werfen. Damit scheint das Problem gelöst. Aber nur für kurze Zeit. Der Gestank bleibt. Eines Tages dringt der Schmutz durch das schöne Tischtuch.
Oft zeigt er sich irgendwann später durch körperliche Leiden und Verspannungen, dass ein schweres ungelöstes Problem vorhanden ist. Darum ist es viel besser 1. Petrus 5,7 sobald wie möglich zu Herzen zu nehmen: „Alle Sorgen auf ihn werfen, denn er sorgt für euch“.
2. Ehrliche nüchterne Bestandesaufnahme, statt damit Aufmerksamkeit zu gewinnen. Einige neigen dazu, alles Leid in sich zu vergraben. Andere machen genau das Gegenteil. Sie reden ständig davon und können nicht damit aufhören. Sie meinen, damit Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu gewinnen. Dadurch wird das Problem aber nur grösser als es in Wirklichkeit ist. Zudem wird ihnen mit der Zeit niemand mehr zuhören wollen. Darum braucht es eine ehrlich Bestandesaufnahme ohne Übertreibung.
3. Dem Täter vergeben lernen, statt nachzutragen: Es ist oft sehr schwer einem Täter zu vergeben. Oft verfallen wir in Selbstmitleid. Selbstmitleid ist der negative Stolz eines verwundeten Menschen. Der führt dann zu Hass, Rachsucht und Bitterkeit. Es ist ein Wunder der Güte Gottes, wenn Vergebung möglich ist. Aber es ist noch viel schwieriger mit einer Bitterkeit und einer depressiven Grundstimmung zu leben. Darum wollen wir an Kolosser 2,10 denken: In ihm (in Jesus nicht in unserem verletzen Herzen) haben wir die Fülle, das heisst, sind wir vollständig wiederhergestellt.
4. Sich selbst und den anderen Menschen so anzunehmen wie Gott uns annimmt. Wer missbraucht wurde, dessen Selbstwert leidet stark. Satan möchte Gottes Bild in uns zerstören. Darum ist es wichtig, dass wir lernen uns selbst aus seinem Blickwinkel zu betrachten. Wir müssen aufhören uns selbst zu erniedrigen und zu verachten. Jesus liebt uns und wir sollen lernen uns auch zu lieben.

Das Hingabegebet
Wenn wir uns bereit fühlen, kann das nachfolgende Gebet helfen, die Not zu Jesus zu bringen. Er wird seine heilende Kraft anwenden, wenn wir das tun:
Gebet: Herr ich habe erkannt, dass gegen mich emotionaler /körperlicher /sexueller /geistlicher Missbrauch verübt wurde. Ich habe mich entschieden, dieser Person zu vergeben. Sie hat mich dadurch in Gefühle der —- geführt. Ich bin bereit diese Person von der Schuld gegenüber mich zu entlassen, die ich ihr gegenüber gefühlt habe. Die Person hat keine weiteren Verpflichtungen mir gegenüber. Ich übertrage von ganzem Herzen allen Schmerz und alle negativen Konsequenzen, die ich durch diesen emotionalen Missbrauch erlitten habe, zu dir, meinem Erlöser.
Danke dass du mich von allem Schmerz und allen Konsequenzen befreit hast. Ich bitte dich, dem Feind jede geistige Grundlage weg zu nehmen, die ich ihm durch den Missbrauch und die Bitterkeit in meinem Herzen gewährt habe. Ich übergebe mein Herz vollständig deiner Kontrolle. Danke, dass du mein Herz gereinigt und befreit hast. Im wertvollen Namen Jesu.
In Matthäus 24 sagt Jesus voraus, dass müssen in Zukunft kleinere und grössere Angriffe erfahren werden. Wer seine Missbrauchserfahrungen konstruktiv zu bewältigen lernt, ist darum gut vorbereitet, der Wiederkunft des Herrn entgegen zu gehen. „Seid Geduldig und stärkt eure Herzen, mahnt Jakobus darum, denn die Wiederkunft des Herrn ist nahe.“ Jakobus 5,8-11.

Wie reagiert man auf Missbraucher?
Das eine ist es, als Opfer des Missbrauchs seelisches Leid konstruktiv zu bewätligen. Es ist aber auch wichtig, einem Angreifer konstruktiv zu begegnen. Berater empfehlen fünf Möglichkeiten, wie man gegen Missbraucher reagieren kann:
1. Erforsche die Taktiken des seelischen Missbrauchs und lerne, dich durchzusetzen. Seelische Gewalt wird oft als Taktik eingesetzt, um dich zu manipulieren und Macht über dich auszuüben. Wenn du versuchst, dich zu erklären hat der Angreifer schon gewonnen. Darum erkläre nichts! Weise den Angriff direkt ab.
2. Setze gesunde Grenzen. Wir dürfen keine Angst davor haben, uns gegen Missbrauch zu wehren oder Grenzen zu setzen. In manchen Fällen wird verbaler Gewalt am besten mit entschiedenen Aussagen begegnet, wie „Hör auf damit!“, „Sprich nicht so mit mir!“, „Schrei mich nicht an!“,
3. Bewahre deine Selbstachtung. Wer missbraucht wird fühlt sich dabei sehr schlecht. Mache dir bewusst, dass es nicht deine Schuld ist. Die Bibel enthält viele Verheissungen, wie kostbar du für Gott bist. Behalte deine Würde!
4. Suche Hilfe bei einem fachkundigen Berater. Wenn du in akuter Gefahr bist, ruf die Polizei oder die Notrufnummer an. Wenn das nicht der Fall ist, wende dich an eine vertrauenswürdige Freundin oder ein Familienmitglied. Manchmal hilft ein Therapeut oder eine Beratungsstelle für Missbrauch und Gewalt in Familien. Einem Täter in einer langjährigen Beziehung entgegen zu treten, kann schwierig werden. Oft benötigt man daher die Hilfe und Bestätigung einer Gruppe, eines Therapeuten oder Beraters, um sich fortwährend gegen Missbrauch zu wehren.
5. Bitte Gott um Trost, Heilung und Weisheit. Der Heilige Geist ist unser Tröster und wird uns in alle Wahrheit und Weisheit leiten. Er kann unser Herz mit Gottes Liebe auf eine heilende Weise erfüllen. Er kann uns lehren, welche Worte wir sprechen und welche Handlungen wir setzen sollten.

Abigail oder Nabal
Der Bericht von Nabal und seiner Frau Abigail ist ein gutes Beispiel dafür. Es zeigt wie konstruktiv mit Missbrauch umgehen kann. Wir lesen in 1. Samuel 25,2-38:
„Ein wohlhabender Mann aus Maon hatte Grundbesitz in Karmel. Er besaß 3.000 Schafe und 1.000 Ziegen, und er war gerade dort, weil es die Zeit der Schafschur war. Der Name des Mannes war Nabal. Seine Frau Abigajil war eine kluge und schöne Frau. Doch Nabal, ein Nachkomme Kalebs, war grob und unehrlich. (Verse 2-3)
Als David in der Wüste hörte, dass Nabal seine Schafe schor, schickte er zehn seiner jungen Männer nach Karmel. Sie sollten Nabal von ihm Grüße ausrichten und ihm sagen, dass sie seine Schafe behütet hätten
,Wer ist dieser David?‘, spottete Nabal. , Er ist nur ein blöder weggelaufener Knecht. Die Boten kehrten zu David zurück und berichteten ihm alles. ,Holt eure Schwerter!‘, sagte David. Wütend wollte er Nabal für diese Schmach umbringen.
In der Zwischenzeit berichtete einer der Knechte Nabals Abigajil der Frau Nabals, was vorgefallen war. Abigajil verlor keine Zeit. Schnell nahm sie eine Menge Lebensmittel. Sie lud alles auf einige Esel und ging David entgegen.
David ergoss seine Wut gerade in eine Schimpftirade und war dabei aus Rache einen weiteren Missbrauch zu vollziehen. Er sagte: Gott soll mich strafen, wenn ich bis morgen Früh von allen seinen Leuten auch nur einen, der gegen die Wand pinkelt, am Leben lasse!‘
Abigajil sprach ganz offen mit David. Sie sagte ganz offen. Ja, mein Mann Nabal ist leider ein Narr, wie schon sein Name sagt. Aber bitte bringe nicht unschuldige Menschen mit ihm ums Leben. Ich weiss, Gott hat dich zum Herrscher über Israel gemacht Aber bitte lass Gott richten. David war von Abigails Worten tief beeindruckt und liess von seinem Plan ab.
„Als Abigajil zu Nabal zurückkam, feierte er gerade in seinem Haus ein großes Festmahl, das dem eines Königs entsprach. Er war bester Laune, aber völlig betrunken, deshalb erzählte sie ihm bis zum nächsten Morgen nichts von ihrer Begegnung mit David. Am anderen Morgen, als er wieder nüchtern war, erzählte sie ihm, was geschehen war. Daraufhin erlitt er einen Schlag und wurde völlig gelähmt. Etwa zehn Tage später ließ der Herr ihn sterben.“ (1.Samuel 25,2-38 NLB)
Nabal (dessen Name „der Törichte“ bedeutet) war ein verbaler Missbraucher. Offensichtlich redete Nabal nicht nur gegen David, sondern auch gegen seine Leute verletzend. Der Knecht betont, dass niemand mit ihm sprechen kann. Nabal war nicht nur seiner Dienerschaft gegenüber emotional gewalttätig war, sondern auch gegenüber seiner Frau. Alle schienen einen Weg gefunden zu haben, ihn und seine Beschimpfungen zu vermeiden, indem sie ohne ihn Entscheidungen trafen.
Später nimmt Abigail die Schuld auf sich und entschuldigt sich bei David wortreich für die Dummheit ihres Mannes. Das lässt darauf schliessen, dass sie immer wieder Leute beschwichtigen musste, welche durch die verbalen Wutausbrüche Nabals erzürnt worden waren.
Mit dem Geist Gottes erfüllt, begegnet Abigail David mit freundlichen Worten und „Geschenken“. Ihre Worte bringen Frieden, verleihen Gnade. Sie ermutigen und stärken den Hörer. Das bestätigt David selbst (Vers 33). Schliesslich griff Gott ein und klärte das Problem endgültig.
Menschen wie Abigail werden heute gesucht. Sie leben in Umständen mit Missbrauch und lernen doch damit konstruktiv umzugehen. Ellen G. White schreibt in The Signs of the Times, Nov. 14, 1892, dass diese Art Weisheit in Familien und Gemeinden dringend benötigt wird:
„In vielen Familien herrscht ein großer Mangel daran, sich gegenseitig Zuneigung auszudrücken. Sentimentalitäten sind unnötig, aber es ist wichtig, die Liebe und Zärtlichkeit auf eine keusche, reine und würdige Weise zum Ausdruck zu bringen. Manche pflegen absichtlich eine Herzenshärtigkeit, die in Wort und Tat die satanische Seite des Charakters offenbart. Zärtliche Liebe sollte immer zwischen Ehemann und Ehefrau, Eltern und Kindern, Brüdern und Schwestern gepflegt werden. Jedes übereilte Wort sollte aufgehalten werden, und nicht einmal der Anschein eines Mangels an gegenseitiger Liebe sollte sichtbar werden. Es ist die Pflicht eines jeden Familienmitglieds, zur angenehmen Atmosphäre beizutragen und freundlich zu sprechen.“
Gott helfe uns, dass wir nicht nur Missbrauch erkennen und bekämpfen, sondern das Gegenmittel, Gottes Liebe und Weisheit beständig pflegen. Denn das ist es, woran die Welt erkennen wird, dass wir wahre Jünger Christi sind.
AZ 27.8.2018

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Gott liebt Fremdlinge

Textlesung: Matthäus 25,31-46

Einleitung
Flüchtlinge und Asylbewerber aus verschiedenen Ländern kommen mit unterschiedlichen Biografien, mit unterschiedlichen Gründen vermehrt zu uns. Sie werden von Verteilzentren in die verschiedenen politischen Gemeinden aufgeteilt. Dort werden sie in einfach Unterkünften untergebracht, die von Sozialarbeitern betreut werden. Sie lernen dort Deutsch und warten auf den Bescheid von Bern, ob sie positiv als Asylanten aufgenommen werden oder ob sie einen negativen Bescheid erhalten und zurückkehren müssen.
Wenn sie einen positiven Bescheid erhalten, können sie Arbeit suchen. Wenn der Bericht negativ ist, werden sie durch die Polizei ausgeschafft und zurückgeführt, falls sie nicht innerhalb einer bestimmten Zeit selber gehen. Wenn das Land aus dem sie stammen, keinen Ausschaffungsvertrag mit der Schweiz hat, erhalten sie in einem Asylzentrum ein Zimmer zum Übernachten und Essen geliefert, aber kein Geld mehr. Sie sind noch geduldet und man hofft, dass sie eines Tages selber gehen. Aber viele von ihnen können nicht mehr zurück, auch wenn sie das möchten. So stranden sie hier bei uns ohne Zukunftsaussichten.

Ich habe durch die Sozialprojekte viele Kontakte zu solchen Menschen knüpfen können. Einigen von ihnen bringe ich jede Woche eine Kiste Lebensmittel vorbei. Dadurch habe ich sie und ihr Schicksal besser kennen gelernt. Einige von ihnen haben angefangen, uns im Projekt tatkräftig zu helfen und sind seither unentbehrliche Mitarbeiter geworden. Mit einigen studieren ich inzwischen die Bibel. Viele suchen die Wahrheit und ein ordentliches Leben wie wir alle. Zum Teil sind sie allein oder mit ihrer Familie hier.
Mein positiver Eindruck und Respekt für ihr offenes Herz, ihre Freundschaft und Leidensbereitschaft ist durch diese Begegnungen enorm gewachsen. Ich habe intelligente junge Menschen kennen gelernt. Einige von ihnen führten in ihrer Heimat ein Geschäft, ehe sie aufgrund politischer Problem das Land verliessen.
Vielen Schweizer haben vor diesen Menschen jedoch Angst und meiden den Kontakt. Anschläge wecken zunehmend Misstrauen. Die Politik macht ihr Leben immer schwieriger. Die Asylheime werden zum Teil von problematischen Leitern geführt. Einer hat mir zum Beispiel ein Besuchsvorbot für eine Familie, die ich betreue, gegeben.
Viele fragt sich: Wird unsere schöne Schweiz kaputtgehen, wenn immer mehr von ihnen zu uns kommen? Werden wir ein muslimisches Land werden und unser Wohlstand zugrunde gehen? Werden sie unsere Sozialwerke ausnützen und missbrauchen? Das sind Fragen, die uns bewegen, wenn immer mehr fremde Menschen zu uns kommen. Macht es ihnen die Schweiz zu schwer – kommen immer mehr. Macht sie es ihnen schwer – wird es unmenschlich. Aber genau da sehe ich unsere Chance als Christen. Wir haben die Möglichkeit ihnen als Einzige das Leben leichter zu machen und sie als Freunde zu gewinnen.
Ich wollte diese Predigt daher davon erzählen, was ich erlebt habe und was mich diesbezüglich bewegt. Ich wollte daher ein paar meiner neuen Freunde mitbringen und vorstellen. Aber zuerst möchte ich euch zu einem kurzen Bibelstudium einladen.

Fremdlinge in der Bibel
Oft vergessen wir, dass in der Geschichte der Bibel Asylsuchende, Heimatlose, kulturell fremde Menschen von Anfang an eine besondere Rolle gespielt haben.
• Eines Tages erhielt Abraham den Ruf von Ur wegzugehen und ins Land Kanaan zu ziehen. Er hatte eigentlich keinen Grund wegzuziehen. Er hatte wirtschaftlich Erfolg. Es gab keinen Krieg. Aber Gott wollte, dass er aus der unmoralischen Umgebung wegzog und den Rest des Lebens als Asylant verbrachte. Er war in der Folge in Kanaan sein Leben lang wie ein Asylsuchender abhängig vom Wohlwollen der ansässigen Bevölkerung. Am Ende seines Lebens hatte er noch immer keinen festen Wohnsitz. Einzig das Grab gehörte ihm. Gott sagte ihm in 1. Mose 15,13-14 dass dieses Schicksal auch seine Nachkommen teilen würden: »Deine Nachkommen werden Fremdlinge sein in einem fremden Lande, und man wird sie knechten und misshandeln vierhundert Jahre lang.
• Diese Geschichte wurde mit Joseph fortgesetzt. Er wurde zu Unrecht von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft und musste sich dort in die neue Kultur allein zurechtfinden und eine neue Sprache lernen. Er wurde missbraucht und zu Unrecht gefangen genommen. Dank ihm überlebte jedoch Ägypten eine grosse Hungersnot und seine Familie wurde ebenfalls daraus gerettet. Joseph der Asylant wurde von Gott auf wunderbare Weise gebraucht.
• Das Volk Israel zog aus Ägypten aus und reiste 40 Jahre heimatlos durch die Wüste. Niemand wollte sie. Sie waren quasi staatenlos. Jeder hatte Angst vor ihnen. Nach zahlreichen Kriegen wurde sie schliesslich in Kanaan ansässig.
• Später lesen wir von Ruth der Grossmutter Davids. Sie war eine Fremde aus Moab. Ihr Glaube war vorbildlich und aussergewöhnlich. Ein Vorbild für viele aus Israel.
• Als das Volk Gottes Ruhe fand und Heimatgefühle entwickelt hatte, verliessen sich die Gläubigen auf ihren Wohlstand und vergassen Gott. So wurden sie aufgrund ihres Unglaubens nach Babylon verschleppt und lebte dort 70 Jahre als Asylanten unter fremden Völkern. Daniel gehörte auch zu ihnen. Aber Gott benützte den Fremden Daniel, um den König von Babylon zum Glauben zu führen. Sein prophetisches Buch, das er dort in der Fremde schrieb, ist uns bis heute ein grosser Segen.
• Auch Jesus verbrachte die erste Lebensjahre als Asylant in Ägypten, weil die politischen Verhältnisse so schlimm waren, dass er zuhause nicht überlebt hätte. Später wanderte er 3,5 Jahre seines Dienstes als Heimatloser ohne feste Arbeit in Israel umher. Er starb wie ein rechtloser Verbrecher am Kreuz one Haus und ohne Familie.
• Der Apostel Paulus war ein Jude aus der Türkei. Er reiste sein Leben lang als Heimatloser von einer Stadt zur anderen bis nach Europa. Dank dem Dienst dieses Türken sind wir heute Christen. Schliesslich wurde er fern von seiner Heimat umgebracht.
• Keiner der Apostel verbrachte als Berufsmann sein Leben friedlich in Jerusalem mit einer sicheren Pension, einem Haus und Familie bis zum Ende seines Lebens, wie das gewöhnliche Schweizer erwarten. Sie starben alle irgendwo in ihrem Dienst als Märtyrer im Ausland als Fremde.
• Die Täuferbewegung, unsere geistlichen Vorfahren zur Zeit der Reformation, war eigentlich eine Asylanten-Gemeinde, ständig auf der Flucht vor Verfolgungen. Sie wurden deswegen in alle Welt zerstreut. Schweizer Täufer flohen als Asylanten nach Deutschland, oft nur mit dem Allernötigsten im Gepäck. Viele mussten ihre Familie zurücklassen. Unsere geistlichen Vorfahren waren alle Asylanten.
• Die ersten Adventisten im 19. Jahrhundert in den USA und in Australien waren meist Einwanderer, Asylsuchende aus Europa. Sie waren in der Regel Wirtschaftsflüchtlinge, auf der Suche nach einem neuen und besseren Leben. Genau das was gegenwärtig 60 Millionen Menschen ebenfalls tun.

Anders gesagt: Unser Glaube und unsere Gemeinde wäre ohne das Engagement und den Glauben von Fremden und Asylsuchenden nie entstanden. Ich persönlich wäre wahrscheinlich nie gläubig geworden, wenn ich nicht in der Lehrzeit an einem fremden Ort hätte leben müssen. Entwurzelt und orientierungslos, begann ich nach Gott zu suchen. Es ist so: Was wir sind und glauben, sind wir zum grossen Teil aufgrund von legal und illegal eingewanderten fremden Menschen.
Fassen wir zusammen:

• Die Männer Gottes in der Bibel und Geschichte waren meist kulturell fremde Menschen, die mit den ansässigen Einheimischen den Erlösungsplan teilten.
• Wo immer das Evangelium hin gelangte, waren ortsfremden Menschen, nicht die Einheimischen die offensten Menschen für den Glauben Jesu. Darum beschreibt die Bibel, dass Gott im Alten und im Neuen Testament ein grosses Herz für Fremdlinge hatte. Nur einer von vielen Texten aus Jesaja 56 als Beispiel:
Und der Fremde, der sich dem HERRN zugewandt hat, soll nicht sagen: Der HERR wird mich scheiden von seinem Volk. Und der Verschnittene soll nicht sagen: Siehe, ich bin ein dürrer Baum. Denn so spricht der HERR: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt, und an meinem Bund festhalten, denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll… denn mein Haus wird ein Bethaus für alle Völker genannt werden. Jesaja 56, 3-7
Das Volk Gottes hat stets zu einem grossen Teil aus Fremdlingen bestanden. Schauen wir unsere eigene Gemeinde an: Wie viele Ausländer gibt es doch in den Bethäusern unter uns. Das war Gottes plan von Anfang an. Gottes Gemeinde ist ganz besonders eine Gemeinde für Menschen die keine irdische Heimat haben.

Jesus sagte, dass man die wahren Gläubigen sogar daran erkennen kann, dass sie ganz besonders für notleidende Fremdlinge tätig sind, sie besucht, sie ernähren, sie kleiden.
Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Matthäus 25,31-36
Auf der anderen Seite bezeichnet er diejenigen, welche ein exklusives Privatleben führten, ohne sich um diese Menschen und ihre Nöte zu kümmern, als verlorene Menschen.

Als Gläubige Nachfolger Jesu haben wir also sehr viele Gründe uns mit den Fremdlingen verbunden zu fühlen. Schliesslich wir sind alle auch Fremdlinge und Pilger auf dieser Erde. Zwei Texte als Bespiel:
• 1.Petrus 1,1: Petrus, Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge, die in der Zerstreuung leben, in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Provinz Asia und Bithynien,
• 1.Petrus 2,11: Ihr Lieben, ich ermahne euch als Fremdlinge und Pilger: Enthaltet euch von fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten.
Es gibt auch problematische Menschen unter diesen Asylsuchenden und Fremden. Aber ich habe inzwischen sehr viele liebenswürdige selbstlose Fremdlinge kennen gelernt. Menschen mit einem grossen und liebevollen Herz, die gern das wenige, das sie besitzen mit anderen teilen. Ich wollte euch einige von ihnen heute vorstellen.
Interviews oder Filme

Schlussfolgerungen:
1. Gott liebt Fremdlinge. Darum schickt er uns fremde Menschen aus anderen Kulturen, um uns von unserem egoistischen Privatleben zu heilen.
2. Er schickt sie uns, damit wir sie befreunden, ihnen dienen und sie herzlich in unsere Gemeinschaft willkommen heissen.
3. Wenn wir ihre Freunde werden, erfahren wir grossen Segen, Sie werden uns helfen, den Dienst den Gott uns aufgetragen hat, noch besser tun zu können.
4. Wir sind als Gottes Familie auf dieser Erde Fremdlinge und Asylanten genauso wie sie und warten auf unser Heimatland im Himmel. Darum wollen wir jetzt für sie beten!
AZ 9.4.2019

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Neue Multimedia-Gratis-Bücher zum Herunterladen

Die folgenden Bücher können als PDF-Dateien mit Links zu illustrativen Videos kotenlos heruntergeladen und gelesen werden:

Bild1Der Countdown, Teil 1 – ein Multimedia-Buch
Das vorliegende Buch beschreibt die Hintergründe der umwälzenden sozialen, politischen und religiösen Entwicklungen der Gegenwart aus dem Blickwinkel biblischer Prophetie. Gleichzeitig analysiert es die Bemühungen der Weltelite, einen zukünftigen globalen Megacrash zu verhindern. Kann die Menschheit im 21. Jahrhundert all ihr Knowhow nutzen, um einen Quantensprung in eine friedliche Epoche zu machen, oder steht der Untergang der Zivilisation bevor? Erscheint Jesus Christus wie angekündigt zum Anbruch des Reiches Gottes? Dieses Buch macht Mut zum Glauben, weil das Beste noch bevorsteht. Es ist im März 2019 erschienen und kann unter folgendem Link als PDF herunter geladen werden: http://t1p.de/countdown1

Der Countdown, Teil 2
3d.jpgKann die Menschheit mit vereinten Kräften die Welt vor dem Abgrund retten? Was geschieht während dem Millennium und dem Jüngsten Gericht? Wie ist es möglich, sich auf eine herrliche Zukunft in der Ewigkeit zu freuen? Dieses Buch erläutert die erstaunlichen Voraussagen über die unmittelbare Zukunft der Welt aus dem Blickwinkel biblischer Prophetie. Es vermittelt einen erstaunlichen Einblick in das Leben nach Jesu Wiederkunft. Ein Buch, das Mut für die Herausforderungen des Alltags und zum Glauben an eine bessere Zukunft macht. Es ist im März 2019 erschienen und kann unter folgendem Link als PDF herunter geladen werden: https://kurzelinks.de/wqej

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Gottes Plan für Ehe und Familie

Einleitung:
Das Abendmahl ist ein Gemeinschaftsmahl. Heute möchte ich die geistliche Bedeutung von Ehe und Familie näher untersuchen. Ich möchte aufzeigen, was sie mit einer Abendmahlsfeier zu tun haben. Am 14. Dez. 2018 wurde im Schweizer Parlament ein Gesetz beschlossen, das Diskriminierung und Aufruf zu Hass aufgrund sexueller Orientierung unter Strafe stellt. Was heisst das konkret? In Zukunft könnte jemand bei der Polizei angezeigt werden, wenn er…

  • Homosexuelle Praktiken öffentlich als moralisch verwerflich zu bezeichnen.
  • Homosexualität medizinisch behandelt und für Heilung betet.
  • Aus Gewissensgründen keine Homosexuellen einstellt oder jemanden ihm aus diesem Grund kündet.
  • Es wäre auch strafbar darauf zu verweisen, dass sexueller Missbrauch von Jungen im Zusammenhang mit Homosexualität steht.

Letzte Woche ist ein Fall aus Kanada publik geworden. Ein 14jähriges Mädchen fühlte sich als Junge und wollte sich umwandeln lassen. Ihre Schule unterstütze ihren Wunsch. Die Eltern waren dagegen. Die Richter entschieden, dass die Eltern kein Recht hätten dem Mädchen eine Hormonbehandlung zu verweigern, um ein Junge zu werden, denn das sei Missbrauch eines menschlichen Rechts.
Wir befinden uns in einer globalen sexuellen Revolution, die vor nichts haltmacht. Das Motto der neuen Moral lautet:

  • Männer und Frauen gibt es nicht.
  • Es gibt nicht nur zwei, sondern viele Geschlechter.
  • Die Ablehnung von Homosexualität ist abgeschafft.
  • Das Individuum muss sich vom Diktat der Natur befreien und sich selbst neu erfinden.
  • Selbst die Sprache muss neu erfunden werden. Heute gilt: Elter 1 und Elter 2 statt Mutter und Vater.

Grosse internationalen Organisationen der UNO, EU und Milliardenschwere private Stiftungen fördern die neue Gender-Moral auf allen Ebenen der Gesellschaft. Es herrscht Krieg gegen die Ehe und Familie, bereits ab dem Kindergarten.
Gott liebt alle Menschen, auch Menschen, die homosexuell, bisexuell und transgender fühlen. Dennoch hat Gott am Anfang den Menschen als Mann und eine Frau geschaffen, egal was das Gesetz verbietet und die Gender-Bewegung verkündet.

Wie sieht Gottes Plan aus?
Die Thematik Ehe und Familie nimmt in der Bibel einen grossen Platz ein. Die ersten Bücher der Bibel sind eigentlich oft Familiengeschichten. Nationen und Staaten wurden erst viel später erfunden. Die Bibel beginnt mit einer glücklichen Ehe (1Mose 1 und 2) und sie endet mit einer fröhlichen Hochzeit, das Abendmahl des Lammes nach Jesu Wiederkunft (Offb 19,9).
Zwischen diesen beiden Geschichten spricht Gott in seinem Wort auf vielfältiger Weise über dieses Thema. Ich möchte heute nur vier Punkte hervorheben:

Ehe und Familie sind Geschöpfe Gottes nicht Eigentum des Staates oder von Interessengruppen
In 1. Mose 1,27 steht: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau (wörtlich: männlich und weiblich, nicht neutral) schuf er sie.“
Gott schuf den einen Menschen als Mehrzahl von zwei Geschlechtern. So wie es einen Gott als Mehrzahl gibt, so auch der Mensch. Die Einheit als Mann und Frau gehört zur Bild Gottes im Menschen.
Die heterosexuelle Beziehung von Mann und Frau ist also ein Grundprinzip menschlicher Existenz. Die Natur wurde auf dieses ergänzende Paar ausgelegt. Das gilt sowohl für die Menschen wie auch für die Tiere und oft auch für Pflanzen.
Wenn nur aber staatliche und private Einrichtungen versuchen, diese Grundordnung in Frage zu stellen und sogar zu ersetzen, ist es so, als wollte man Gott spielen und das Leben neu erfinden. Das kann nur schiefgehen. Wer Gottes Eheordnung auflöst greift Gott persönlich an. Bei Sodom und Gomorrha war damit der Punkt erreicht, dass Gott mit Gericht strafend eingriff. In der heutigen Zeit erreichen wir mit grosser Geschwindigkeit diesen Punkt

Die Einheit zwischen Mann und Frau ist ein Spiegel von Gottes Charakter
Ehe und Familie funktionieren, wenn Gottes Ehre, seine Liebe und Gerechtigkeit, seine Treue und Reinheit in der Beziehung gelebt werden. Sie zu pflegen und zu leben, ist darum eine Form von Gottesdienst.
Epheser 5,28-29: So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde.
Im Zeitalter der Selbstverwirklichung passen solche Text Liebe und Aufopferung nicht mehr. Satan hasst harmonische Ehen und Familien, in denen Respekt und Liebe herrschen.
Darum gibt es viel Elend in den Familien. Viele meinen, die Familie und Ehe funktioniert nicht. Sie müsse abgeschafft und neu erfunden werden. Das ist eine Lüge Satans im Kampf gegen Gott.
Auch unsere sündhafte Natur sträubt sich oft gegen diese biblische Lebensform. Aber es gibt keine bessere Charakter- und Persönlichkeitsbildung als in die verbindliche Beziehung in Familie und Ehe. Sie ist die Basis für den Charakter, für den Glauben. Die Grundlage dafür wird in den Familien gelegt, nicht in der Gemeinde oder in der Schule. Dauerhaft erfolgreiche Menschen im Sport, Musik, im Glauben oder Beruf haben stets eine starke Familie im Rücken.
Keine Lebensform spiegelt so sehr Gottes Wesen auf dieser Welt wider wie Ehe und Familie, wenn sie nach seinem Plan gelebt wird. Keine Lebensform trägt so viel zum Wohlergehen der Menschheit bei wie sie. Aber da ist noch mehr!

Ehe und Familie sind ein Bild für das Evangelium
Jesu Beziehung mit seiner Gemeinde ist wie die Beziehung eines Bräutigams mit seiner Braut. In Epheser 5,25 schreibt der Apostel Paulus: Ihr Männer liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei. (LÜ 84).
Die Ehebeziehung ist eines der besten Bilder für die Beziehung, die Christus mit seinem Volk sucht. Christus liebt sie wie ein Bräutigam seine Braut:

  • Er wirbt um sie wie ein Liebhaber
  • Er kam vom Himmel und gab seine frühere Existenzform für sie auf, um mit ihr ewig leben zu können.
  • Er reinigt sie durch sein Wort und sein Blut,
  • Er heiligt sie durch den Geist,
  • Er versorgt sie,
  • Er schützt und bewahrt sie,
  • Er hält ihr die Treue, auch wenn sie Fehler macht!

Jesus liebt nicht nur jeden Einzelnen. Jesus liebt aus diesem Grund vor allem auch Ehen und Familien. Er liebt sie, weil sie ein Zeugnis für seine Erlösung sind.
• Sie Bezeugt, dass Unterschiede nicht trennen müssen, sondern fruchtbar sind und verbinden.
• Sie bezeugt, dass Konflikte gelöst und Wunden geheilt werden können.
• Sie bezeugt, dass teilen, helfen, tragen, nicht herrschen, zwingen und kämpfen, die Basis des Lebens sind.
Jede gläubige Familie und Ehe ist darum nur schon durch ihre Existenz ein Zeugnis für Jesus und seine Erlösungsbotschaft. Jede Familie ist eine kleine Gemeinde und jede Gemeinde eine Art grosse Familie. Liebevolle funktionierende Familien und liebevolle Gemeinden sind ein Schaufenster der Liebe Gottes in einer kalten egoistischen Welt.

Gott hat in der Endzeit eine besondere Botschaft, um Familienbeziehungen zu erneuern
Er hat seinen Nachfolgern in der letzten Zeit einen zweifachen Missionsauftrag gegeben. Sie sollen:
1. Einzelne Menschen zu Gott zurückführen: Durch die Verkündigung der Botschaft des ewigen Evangeliums, der dreifachen Engelsbotschaft.
2. Menschen zu gesunden familiären Beziehungen hinführen. Der Auftrag für diesen zweiten Teil der Mission finden wir in Maleachi 3,24, im letzten Verse im Alten Testament. Dort steht:
Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des HERRN kommt. Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern, auf dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage.
Ein Vergleich zwischen dem Hebräischen und der griechischen Übersetzung des AT, ist interessant. Er zeigt, was damit gemeint ist. In der Septuaginta einer alten Übersetzung des AT ins Griechische steht folgende Übersetzungsvariante:
Er wird das Herz der Väter kehren zu den Söhnen und das Herz eines Mannes zu seinem Nachbarn.
Auch ein Engel zitiert diesen Text bei der Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers mit einer neuen Variante und sagte: Elia kommt…
Um der Väter Herzen zu bekehren zu den Kindern und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten Lukas 1,17
Auch Jesus fasst das Erneuerungswerk von Elia vor dem Tag des Herrn zusammen: Er wird alles wieder zurechtbringen, was der Feind zerstört hat. Markus 9:12:

Das Kommen des Elia kurz vor dem Ende, bezeichnet eine Botschaft, um Gottes Volk auf Jesu Kommen vorzubereiten. Es ist ein göttlicher Auftrag Familienbeziehungen in einer gottlosen Zeit geistlich und familiär zu erneuern und nach Gottes Plan wiederherzustellen.

Das Evangelium soll in der Endzeit familiäre Beziehungen erneuern und heilen:
1. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn, durch Vergebung und Versöhnung.
2. Familienbeziehungen in allen Bereichen des Familienlebens, durch den Sabbat als Familientag.
3. Nachbarschaftliche Beziehungen durch Liebedienste
4. Die Beziehung zwischen Menschenkindern und dem himmlischen Vater durch Glaube, Bibelstudium und Gebet
5. Die Beziehung innerhalb der Gemeindefamilie durch Gottesdienste und Gemeinschaft

Johannes dem Täufer hat diese Voraussage nur zum Teil erfüllt. Der letzte Teil, der Tag des Herrn, ist noch nicht erfüllt und soll darum heute umgesetzt werden. Im heutigen Abendmahl lade ich euch daher ein, diese Form der Evangeliumsbotschaft bewusst anzunehmen. Denn Jesus vergoss sein Blut, um…

  • Unsere persönliche Beziehung mit Gott als Vater zu erneuern.
  • Um die Beziehung zwischen den Ehepartnern zu erneuern. Ich kenne Paare die mir gesagt haben, dass das Evangelium ihre Ehe gerettet hat. Weil beide Gläubig wurden lernten sie ihren Egoismus zu kreuzigen und einander neu zu lieben.
  • Um zu Treue in sexuellen Beziehungen nach Gottes Plan zu ermutigen.
    – Um Eltern und besonders Väter zu ermutigen, sich ihren Kindern zuzuwenden, statt alles dem Moloch Geld und Karriere zu opfern.
  • Um die Gemeinschaft mit der geistlichen Familie, den Brüdern und Schwester, in der Gemeinde zu festigen und zu pflegen.

Gottes Evangelium führt zu starken Ehen, Familien und Gemeinden. Das wollen wir uns durch das Abendmahl neu bewusst machen. Darum Essen wir alle jetzt gemeinsam vom gleichen Brot und trinken vom gleichen Kelch. Wir feiern ein Gemeinschaftsmahl für Ehepaare, Familien und die Gemeinde.
AZ 14.3.2019

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Buch: Die Neue Spiritualität

Die neue Spiritualität – Wohin führt die mystische Reformation?
Apologetische Reihe, Teil 2

Arnoldzwahlen_EbookGegenwärtig befindet sich die Christenheit in einem spirituellen Umbruch in einem Ausmass, wie dies seit der Reformation nicht mehr geschehen ist. Es ist daher an der Zeit, die Hintergründe, Praktiken und Auswirkungen der kontemplativen Spiritualität mit ihren Abgründen und Gefahren offenzulegen. Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, dass die Bibel als offenbartes Wort Gottes weiterhin eine sichere Grundlage für einen gesunden, freudigen und segensreichen Glauben ist und dass heute mehr denn je eine neue Erweckung und Reformation hin zum Glauben der ersten Apostel und den Lehren Jesu benötigt wird. Hier eine Leseprobe von 23 Seiten. Dieses Buch mit 250 Seiten kann unter Amazon.de als Taschenbuch oder als E-Book bezogen werden. Grosse Einführungsaktion auf alle meine Bücher.

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Vom Schuldeneintreiben zum Schuldenerlassen

Text: Matthäus 18,23-35:

Ein König beschloss eines Tages eine Revision seiner Konten zu erstellen. Dabei stellte er fest, dass einer seiner Verwalter ihm 10 Zehnter Silber schuldig war. Das sind umgerechnet etwa 25 Millionen Franken. Andere Kommentatoren sprechen von 600 Millionen. Jedenfalls war es damals eine beträchtliche Summe. Der Knecht oder Staatsbeamte konnte seine Schuld also niemals abbezahlen.

Als er vor den König trat, fiel er auf die Knie und bat um Gnade: Bitte, hab Geduld mit mir. Ich bezahle Dir meine Schuld zurück. Hab nur noch etwas Geduld“. War das eine realistische Bitte? Auf keinen Fall.

Aber der König hatte Erbarmen mit ihm, liess ihn frei und gab ihm Zeit, seine Schuld abzuarbeiten. – Falsch, er gab ihm keine Sekunde mehr Zeit. Er erliess ihm die Schuld von 25 Millionen Franken auf einen Schlag. Er erhielt keinen Aufschub, sondern einen vollständigen Erlass seiner Schuld.

Der gute Mann aber hatte offenbar nicht richtig hingehört. Denn jetzt machte er sich an die Arbeit, sein Geld einzutreiben. Draussen traf er einen Kollegen, der ihm 100 Silbergroschen oder Dinare schuldig war. Ein Silbergroschen ist ein Tageslohn. Es war also gar nicht so wenig.

Er bedrohte den Kollegen und verlangte sofortige Rückzahlung. Weil er nicht zahlen konnte, liess er ihn ins Gefängnis werfen. Zur damaligen Zeit, war es von rechts wegen üblich, Leute zur Strafe für unbezahlte Schulden ins Gefängnis zu werfen oder als Sklaven zu verkaufen. Vom Recht und Gesetz her gesehen, war sein Handeln nicht falsch.

Aber der König war damit nicht zu frieden. Als er davon hörte rief er ihn zu sich: „Was habe ich da gehört. Ich habe dir deine grosse Schuld erlassen und war dir gnädig und jetzt gehst du hin und forderst gnadenlos die Schulden deines Kollegen ein.“

Die Reaktion des Königs scheint krass (Vers 34-35): „Er warf ihn den Peinigern oder Folterknechten hin, bis seine Schuld gesühnt war.“ Das heisst, er erhielt lebenslange Haft. Jesus kommentiert die Geschichte und erklärt: „So wird euch mein himmlischer Vater auch tun, wenn ihr nicht euren Brüdern von Herzen vergebt.“

Die Bedeutung des Gleichnisses kann man leicht erraten. Der König stellt Gott dar. Jesu Opfer am Kreuz ist der Preis, den Gott für unsere Schuld bezahlt hat, um unsere grosse Schuld zu sühnen. Wir sind jetzt frei. Uns ist vergeben. Natürlich sind wir dankbar. Darum feiern wir heute Abendmahl. Aber die Frage ist, die Jesus durch das Gleichnis stellt ist, was machen wir im praktischen Leben aus diesem Privileg?

Der himmlische Vater erwartet Vergebung. Aber nicht nur formelle Vergebung, sondern Vergebung von ganzem Herzen und das unter Androhung von Strafe. Gegenüber Schulden die Menschen bei Gott aufgehäuft haben, scheint Gott unendlich barmherzig zu sein. Aber gegenüber Unrecht, das jemand seinem Bruder nicht vergibt, erscheint Gott gnadenlos zu sein. Warum ist er hier barmherzig und dort so streng?

Gerechtigkeit muss sein?

Im Gleichnis geht der Knecht hin und würgt seinen Mitknecht, weil er ihm die Schuld nicht bezahlen kann. Eigentlich hatte der Knecht in diesem Fall das Recht auf seiner Seite. Schuld musste doch gesühnt und bezahlt werden.

Wo kämen man hin, wenn Unrecht nicht mehr bestraft würde und jedem Übeltäter die Schuld ohne Konsequenzen erlassen würde? Am Ende würde die Ordnung zerfallen und wir würden nach Strich und Faden ausgenützt und betrogen. Darum ist es doch besser, den Anfängen zu wehren und hart durchzugreifen.

Ja, Gott kann es sich leisten gnädig sein. Das erwartet man ja auch von einem guten Gott, dass er mit den armen Sündern gnädig ist. Aber hier auf Erden können wir mit diesem Grundsatz nicht überleben. Ohne Recht, Gesetz und Strafe geht einem das Ruder aus der Hand! Oder etwa nicht?

Tatsächlich dreht sich ein grosser Teil unseres Denkens, Redens und Handelns im Alltag um Recht und Ordnung, Schuld und Sühne. Das ist uns oft gar nicht so richtig bewusst. Sogar bei Kleinigkeiten.

Man merkt das zum Beispiel daran, was Leute sich so alles an den Kopf werfen: Da heisst es zum Beispiel bei privilegierten Sitzplätzen: „Das ist mein Platz, ich war zuerst da.“ Beim Anstehen am Schilift oder and er Kasse ärgert sich jemand und sagt: „Bitte nicht vordrängen.“ Damit berufen sich die Leute auf Anstandsregeln.

Sogar beim Streiten ist man sich einig, dass es gewisse Verhaltensregeln gibt. Uneinig ist man nur darüber, welche der Regeln in einem bestimmten Fall gerade zutrifft. Ob unter Kindern oder Eheleuten, ob in Gemeinden oder Nationen – allen ist klar. Es gibt ein allgemeingültiges Recht. Das kommt daher, dass der Schöpfer ein moralisches Rechtsempfinden tief in unsere Seele eingraviert hat.

Darum empören wir uns zutiefst über Ungerechtigkeiten. Konflikte enden aus diesem Grund meist erst nach einer Ent-schuldig-ung. Darum gibt es starke Erwartungen von Sollen und Müssen. Wenn die vereinbarten Abmachungen missachtet werden, fühlt man sich tief verletzt. Unsere Seele hat erst wieder Ruhe, wenn die Schuld abbezahlt und gesühnt ist.

Wenn das aber nicht geschieht, ja dann setzt sich ein innerer Mechanismus in Gang, den ich als inneren Schuldeneintreiber bezeichnen möchte. Er treibt uns an, dafür zu kämpfen, bis die Schuld bezahlt und das Recht wiederhergestellt ist.

Manchmal werden Leute von diesem inneren Schuldeneintreiber so geplagt, dass sie nicht mehr schlafen können. Andere leiden, werden depressiv oder sogar krank.

Als ich noch ein Jungendlicher war, war ich immer wieder erstaunt, wie viele ältere Leute über irgend etwas oder irgend jemanden verbittert waren. Ich dachte mir, das wird mir nie passieren. Ich werde dem konsequent aus dem Weg gehen.

Aber seit ich den Mund etwas weiter aufgemacht habe und als Folge davon das erste Mal selber bis aufs Messer gereizt und ungerecht behandelt worden bin, weiss ich es besser. Das wirkliche Leben ist hochexplosiv. Über die Jahre kommt kaum jemand ohne Blech oder sogar Motorenschaden davon.

Darum ist es so wichtig, eine Strategie zu kennen, nicht nur um die Schuld, die wir anderen zugefügt haben, sondern auch die Ungerechtigkeiten, welche andere uns zu gefügt haben zu bewältigen. Und vor allem ist es nötig, mit dem inneren Schuldeneintreiber fertig zu werden. Andernfalls ist es fast unmöglich froh und glücklich zu bleiben, weil dann nämlich genau das geschieht, was Jesus im Gleichnis voraussagte: Der Knecht wird gefoltert und gequält, bis die Schuld abbezahlt ist, was aber dann eben nie eintritt.

Die Qual und Folter, die wir in diesem Fall erleben werden, fügen wir uns dabei nämlich selber zu. Sie beginnt heute schon und endet im Gericht vor Gottes Thron.

Was ist die Lösung dafür? Die Lösung macht das Gleichnis deutlich. Gottes Barmherzigkeit ist die Lösung. Gott hat ja durch Jesus alle Schulden liquidiert. Er hat uns nicht nur eine buchhalterische Vergebung gewährt. ER schenkt uns umfassende Vergebung als Ausdruck göttlicher Barmherzigkeit. Am Ende gibt es nichts mehr abzurechnen. Das Konto ist geschlossen, fertig!

Missverständnisse
Mir scheint aber, dass es Diener Gottes gibt, die dieses Angebot gründlich missverstehen.
Wie der Knecht im Gleichnis meinen manche, dass der barmherzige Gott nur die Gnadenfrist verlängert habe. Sie denken, Gott habe ihnen ihre Schuld nicht erlassen, sondern ihnen nur etwas mehr Zeit gegeben, um ihm ihre Schuld zu bezahlen. So gehen sie nun hin, packen ihre Nächsten, und versuchen ihre Schulden, die andere ihnen zugefügt haben, einzutreiben.

o Sie lesen zwar in der Bibel von Gottes Gnade, aber sie pflegen immer noch eine buchhalterische Beziehunge, die von Recht und Gesetz geprägt ist.
o Sie sehen überall Dinge, die nicht so sein sollten wie sie es erwartet haben und regen sich darüber auf.
o Sie leiden, dass sich andere sich nicht so verhalten, wie es recht ist.
o Sie glauben an Jesus, aber werden immer noch von ihrem inneren Schuldeneintreiber umgetrieben.

Die Arbeit geht diesem Typen leider nie aus. So viele Leute schulden uns etwas:
o Die Eltern, die uns vernachlässigten oder zu streng behandelten.
o Die Geschwister, die uns nicht halfen, als wir Hilfe brauchten.
o Der Ehepartner, der uns versprach uns zu lieben, für uns zu sorgen, aber stattdessen immer nur herumnörgelt.
o Die Kinder, die sich nicht den Erwartungen entsprechend entwickelten.
o Die Gemeinde, die uns in geistlichen Problemen in Stich liess.
o Sie alle schulden uns Zuneigung, Liebe und Bestätigung.

Manchmal würgen wir sie und versuchen die Schulden bei ihnen einzutreiben.
o Zuerst beginnt es mit anklagenden Gedanken,
o dann folgen bittere Gefühle.
o Dann fallen harte Worte und
o schliesslich werden Fakten geschaffen, damit jedem deutlich wird, was für ein Unrecht hier geschehen ist.
o Zuletzt werfen wir diese Leute für ewig in das Gefängnis unserer Vorurteile.

Er hatte sie geheiratet, weil sie gut aussah, hübsch und ordentlich war. Welch eine Enttäuschung, wenn sich dann herausstellt, dass sie die Hausarbeit schlampig erledigt, die Haare und Kleidung vernachlässigt. Du schuldest mir einen besseren Lebensstil. Bezahle, was du versprochen hast, heisst es dann unausgesprochen.

Sie hatte ihn geheiratet, weil er sich so lieb um sie kümmerte. Er schrieb ihr Liebesbriefe und telefonierte Stundenlang mit ihr. Was für ein entsetzen, als sich später herausstellte, dass er kaum zu Hause war, weil er mehr an das Geschäft dachte, als an sie. Du schuldest mir all das, was ich von dir erwartete, bevor wir verheiratet waren, klagt sie ihn an.

Es gibt viele Varianten dieses traurigen Würg-Spiels. Aber die Wahrheit ist: Wir brauchen den Schuldeneintreiber nicht mehr. Die Schulden sind längst getilgt. Sich mit Schuldeneintreiben zu beschäftigen ist reine Zeitverschwendung.

Jesus trug alle unsere Krankheit und Schuld. Aber nicht nur unsere, sondern die Schulden der ganzen Welt. Erlöste Kinder Gottes werden keine Schuldscheine mehr aufbewahren. Ihr inneres Inkassobüro ist geschlossen. Der Steuereintreiber ist entlassen. Denn Jesus Christus ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden haben: Frieden mit Gott, Frieden mit uns selbst und Frieden untereinander. Das ist sein Geschenk! Ist das nicht grossartig?

Wichtig ist: Er hat uns nicht nur Frieden geschenkt, weil unsere eigene Schuld vergeben ist. Wir haben auch Frieden, weil wir jetzt keine Schulden mehr eintreiben müssen. Wir brauchen nicht mehr auf Recht und Gesetz zu pochen. Christus ist unser Recht. Wir leben nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade. Es gibt keine offenen Konten mehr. Die geistliche Buchhaltung ist abgeschlossen.

Mit diesem Frieden Gottes im Herzen kann man Menschen unverkrampft begegnen. Man muss vielleicht bei kantigen Charakteren etwas mehr Distanz schaffen, um nicht unnötig verletzt zu werden. Aber mit Gottes Gnade kann man auch solche Menschen annehmen und lieben wie sie sind. Das ist das Evangelium, das die Gemeinde zusammenhält. Das ist Gottes Geschenk an uns! Das wollen wir an diesem Abendmahl feiern.

Die Tests
Das zu glauben ist eine Sache. Es zu leben natürlich eine andere. Darum ist es gut, ab und zu sich selbst einwenig zu prüfen, wo man diesbezüglich steht: Es gibt drei Test, die dabei weiterhelfen. Es sind eigentlich drei Gruppen von ehrlichen Fragen:

1. Der Verstimmungstest. Gibt es jemandem dem ich grolle? Fühle ich mich immer wieder gedrungen negativ über jemanden zu denken und zu reden? Hat mir jemand etwas angetan, bei dem mir immer wieder die Galle hochkommt? Bin ich noch in der Folterkammer?
2. Der Verantwortlichkeitstest. Habe ich den Eindruck, dass man mir nicht das gegeben hat, was man mir schuldet, seien es die Eltern, Gott, die Gemeinde oder ein Bruder? Haben andere mich zu dem gemacht haben, was ich jetzt bin? Lebt mein Schuldeneintreiber noch?
3. Der Erinnerungs- und Reaktionstest. Wie reagiere ich, wenn mich jemand an eine Person erinnert, die an mir schuldig wurde? Wie reagiere ich auf einen Kollegen, Vorgesetzten, Nachbarn oder ein Gemeindeglied, das dir wiederholt unrecht getan hat? Fühle ich mich immer noch als Opfer?

Jesus Christus wurde erwürgt, damit wir nicht mehr würgen müssen. Er wurde für uns schuldig, damit wir nicht mehr Schulden abbezahlen und auch keine mehr eintreiben müssen. Er wurde für uns verletzt, damit unsere Wunden geheilt werden können.

Bereits Joseph hatte dieses Angebot angenommen. Er war von seinen Brüdern nach Aegypten verkauft worden. Aus der Sicht der Brüder war das damals völlig in Ordnung. Er war doch in ihrer Schuld, denn er hatte ja mehr Recht beim Vater erhalten als sie alle. Damit hatte er sich bei ihnen schuldig gemacht. Das musste jetzt ausgeglichen werden.

Um ihre Schuld einzutreiben, verkauften sie ihn als Sklaven. Damit fügten sie ihm aber neues Unrecht zu, das nach Sühne schrie.

Jahre später kamen die Brüder nach Aegypten, weil eine Hungersnot ausgebrochen war. Sie waren sich ihrer Schuld völlig bewusst, als sie Joseph wiedersahen. Wie reagierte Joseph? Stieg ihm die Galle hoch? Trieb er nun die Schuld bei ihnen ein?

„Fürchtet euch nicht, ihr gedachtet es böse zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Joseph war mit ihnen versöhnt. Er lebte aus der Vergebung, darum konnte er ihnen vergeben und sie annehmen wie sie waren, auch wenn sie gar nichts in Ordnung gebracht hatte. So brach er den Teufelskreis des Schuldeneintreibens.

Corrie ten Boom, die auch viel Unrecht im Konzentrationslager erlitten hatte, schreibt zwei bemerkenswerte Sätze zu diesem Thema: „Vergebung ist der Schlüssel, der die Handschellen des Hasses aufschliesst. Vergebung ist die Macht, welche die Kette der Bitterkeit und die Fesseln der Selbstsucht aufschliesst.“

Gott helfe uns, dass wir…
1. Diese Wahrheit durch unsere Gedanken, Worte und Taten heute und in Zukunft bezeugen können.
2. Den elenden Schuldeneintreiber in uns endgültig entlassen und nie mehr zurückholen.
3. Unter Gottes Barmherzigkeit und Gnade und nie mehr unter dem Gesetz und in der Folterkammer leben müssen.

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Bethanien, Jesu Heim in dieser Welt

Textlesung: Lukas 10,38-39

Als Christus auf diese Welt kam, wurde er, wo immer er auftauchte, abgelehnt. Das begann bereits bei seine Geburt. Der ganze Ort Bethlehem schloss die Tür vor ihm. Darum wurde er in einem Stall, geboren.

Aber selbst da konnte er nicht bleiben. Als die Behörden davon erfuhren, wollten sie ihn töten. So floh er mit seinen Eltern aus Bethlehem nach Aegypten.

Später wuchs er in Nazareth auf. Als er mit rund 30 Jahren seinen Dienst begann, wurde er von seinen eigenen Leuten in Nazareth abgelehnt und fast ermordet.

Die religiösen Leiter in Jerusalem lehnten ihn ebenfalls ab. Wir erinnern uns, wie er über die Stadt weinte, weil sie ihn verachteten.

Kurz gesagt, der Herr hatte auf dieser Erde keine wirkliche Heimat. Der Schöpfer des Universums, von dem alles Leben herkommt, war auf seiner Erde unwillkommen. «Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf» steht als Leitspruch über seinem Leben ganz am Anfang des Johannesevangeliums. (1,11)

Aber es gab eine Ausnahme. An einem ganz besonderen Ort war Jesus stets willkommen. Das war das kleine unbedeutende Bethanien – wörtlich «Armenhausen». Bethanien ist ein Dorf etwa zweieinhalb Kilometer von Jerusalem entfernt.

Nachfolgend möchte ich mit euch eine kleine Studie machen, was Bethanien für Jesus bedeutet hat und was das für uns im übertragenen Sinn bedeuten kann.

  1. In Bethanien war Jesus stets willkommen.

Lukas 10,38: «Martha nahm ihn in ihr Haus auf.»

Im Gegensatz zu vielen anderen Orten, war Jesus in Bethanien im Heim von Martha, Maria und Lazarus herzlich willkommen. Martha wird hier als Hausherrin beschrieben, die offenbar die Entscheidung traf, Jesus einzuladen. Gewöhnlich ist in orientalischen Familien, der Vater oder der Bruder Hausherr. Die Frauen werden in einer Familiengeschichte selten erwähnt, ausser es sind ganz aussergewöhnliche Persönlichkeiten. Martha war offenbar eine solche Persönlichkeit. Sie lud Jesus zu sich nach Hause ein.

Was bedeutet es heute und damals, Jesus bei sich willkommen zu heissen? Es bedeutet, ihm zu erlauben, Herr unseres Hauses, unseres Lebens zu sein. Ihn willkommen zu heissen heisst, auf ihn zu hören, seinen Willen zu suchen und von ihm zu lernen.

Jesus war oft bei Martha zu Gast. Wann immer er in Jerusalem zu tun hatte, hielt er sich bei seinen Freunden in Bethanien auf. Er fand dort offene Herzen und ein offenes Heim.

Ist Jesus bei uns auch so zuhause? Manche heissen Jesus nämlich nur wie einen Postboten willkommen. Postboden sind immer willkommen, besonders, wenn sie Briefe und ein Packet mitbringen. Postboten bleiben höchstens ein paar Minuten, dann gehen sie wieder. Der Bote interessiert uns eigentlich nicht, sondern nur seine Briefe und Pakete.

Ist Jesus für uns ein himmlischer Postbote? Jesus kommt nicht, um wieder zu gehen. Jesus möchte unser Freund sein. Er möchte für immer bleiben. Darf er das bei uns?

Darum wollen wir heute Jesus erneut auch hier bei uns in der Gemeinde und zuhause einladen. Nicht Jesus und noch etwas dazu. Auch nicht Jesus und weniger etwas. Jesus ganz und gar. Einverstanden? Dann sagt doch laut «Amen» dazu!

  1. Bethanien ist ein Ort wo Männer und Frauen auf ihn hören und seine Jünger sind.

Lukas 10,39: «Martha hatte eine Schwester, die hiess Maria; die setzte sich zu Jesu Füssen und hörte seiner Rede zu.»

In dieser Szene sitzt Maria mit den zwölf Jüngern im Wohnzimmer, während Martha in der Küche das Essen zubereitet. Damit übertritt Maria zwei rote Linien.

Zum ersten sass sie mit Männern zusammen. Im Orient gehören Frauen in die Küche, nicht zu den Männer ins Wohnzimmer. Aber Maria sass zu den Füssen Jesu. Das meint, sie war seine Jüngerin. Zur damaligen Zeit hatten Rabbis nur männliche Jünger. Aber Jesus war eine Ausnahme. Er war der einzige Lehrer, der auch Frauen aufnahm. Maria nützte das voll aus!

Zum Zweiten, erfüllte Maria nicht die familiären und gesellschaftlichen Erwartungen eines würdigen Gastgebers. Sie vernachlässigte ihre traditionelle Pflicht, in der Küche zu helfen und die zahlreichen ehrenwerten Gäste mit Getränke und Essen zu versorgen. All das überliess sie ihrer Schwester Martha. Die hatte dort ziemlich viel Stress. 13 Gäste plus die eigene Familie, also 15 Leute mit Essen und Trinken perfekt zu versorgen war keine Kleinigkeit.

Martha war empört, dass ihre Schwester sie alleine schuften liess. Sie flüsterte ihre Entrüstung der Maria nicht dezent ins Ohr. Sie stelle sich in den Türrahmen, blickte in dir Runde und gab den Tarif durch. Jesus nahm Maria in Schutz und sagte: «Martha, Martha, du bist so besorgt und beunruhigt um vieles; eins aber ist nötig. Maria hat das gute Teil erwählt, das ihr nicht genommen werden.»

Was meinte Jesus mit dieser Aussage? Das Gute, von dem Jesus hier sprach, war offenbar die Gemeinschaft und die Unterweisung von Jesus, die Maria eben empfangen hatte. Ich meine, hier war der Erlöser der Welt, der Messias und Sohn Gottes und hielt eine Bibelstunde in ihrem Haus. Maria nutzte diese einmalige Chance. Martha hatte dagegen nur die kurzfristigen Bedürfnisse und ihre Ehre als Gastgeberin im Blick. So verpasste sie das überaus Gute das gerade eben in ihrem Wohnzimmer vorhanden war.

Eine der höchsten und ersten Priorität im Leben eines Nachfolgers Jesu, ist auch heute noch, jede Gelegenheit zu nutzen, den Herrn näher kennen zu lernen. Das bedeutet manchmal, die dringenden Bedürfnisse zurückzustellen, Erwartungen nicht zu erfüllen und Lebensroutinen zu missachten.

Oft setzen wir leider die Gemeinschaft mit Jesus in der Prioritätenliste nach hinten, weil Dringendes unser Leben antreibt. Wenn alle Arbeit erledigt ist, wenn wir ausgeschlafen sind, wenn die Rechnungen bezahlt sind, alles aufgeräumt ist, ja dann kommt Jesus an die Reihe!

Bei Maria in Bethanien stand Jesus ganz oben auf der Liste. Maria war bereit, um Jesu willen sogar Ärger zu riskieren. Auf das Gute, wollte sie nie und nimmer verzichten. Wo steht Jesus heute auf unserer Prioritätenliste?

  1. Bethanien ist ein Ort, wo es Tod und Auferstehung gibt.

Johannes 11,3.11.43-44: «Es war aber einer krank, Lazarus, von Bethanien, aus dem Dorf Maria und ihrer Schwester Marta…. Danach sagte er zu ihnen, Lazarus unser Freund ist eingeschlafen; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken… .Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus komm heraus! Und der Verstorben kam heraus»

In dieser bewegenden Szene wird uns berichtete, dass Lazarus starb. Lazarus hatte wie seine Schwestern eine freundschaftliche Herzensverbindung mit Jesus. Jesus wusste, dass der himmlische Vater seinen Freund auferwecken würde.

Trotzdem war Jesus durch die Trauer, die das ganze Dorf erfasst hatte, berührt.  Lazarus war offenbar auch der Freund des Dorfes. So weint Jesus mit Bethanien. Jesus zeigt uns hier, dass er ein mitfühlender Erlöser ist.

Das bedeutete, in Bethanien gab es trotz Jesu Gegenwart Krankheit, Trauer und Leid. Wir vergessen so leicht, dass das Kreuz in unserem Glauben kein Symbol für eine ununterbrochene schöne und erfolgreiche Lebenszeit ist. Es ist ein Symbol für Schmerzen, für Leiden und Tod. Solange wir hier auf Erden leben, wird uns das begleiten. Das Jahr 2017 wird wie das Jahr 2016 sicherlich auch einen Teil davon für uns bereit haben.

Vielleicht stirbt ein toller Lebensplan. Vielleicht werden unsere Erwartungen an das Leben enttäuscht. Vielleicht verlieren wir eine wertvolle Beziehungen und manche Sicherheiten. Wir wissen, die Zukunft wird nicht besser,. Je näher wir dem Ende kommen, desto mehr Leid wird uns treffen. Aber am Ende wird es eine herrliche Auferstehung geben.

Es ist bemerkenswert, dass Jesus vier Tage wartete, bis er Lazarus auferweckte. Nach vier Tagen war menschlich gesehen nichts mehr zu erwarten. Die Beerdigung war abgeschlossen, die Trauer am Höhepunkt. Aber genau dann griff Jesus mit seiner Macht ein und weckte Lazarus auf.

Wir wollen uns durch diese Geschichte daran erinnern, dass jede Krise, eine gottgeschenkte Gelegenheit ist, Jesus auf neue Weise zu erfahren. Jede schmerzhafte Erfahrung ist eine Gelegenheit, auf seinen Plan, auf seine Zeit zu warten und ihm allein zu vertrauen.

Manchmal lässt er uns scheinbar hängen. Das tut er, um uns von allen menschlichen Lösungen zu befreien, damit wir nur noch auf ihn hoffen. Darum wollen wir nie vergessen: Mit Jesus brauchen wir nie in Panik zu geraten. Wenn wir am Ende sind, ist er am Anfang. Er ist das Leben und die Auferstehung auch heute schon, nicht erst bei seiner Wiederkunft.

  1. In Bethanien wurde Jesu Herrlichkeit erkannt

Johannes 12,3: «Da nahm Maria ein Pfund Salböl von unverfälschter, kostbarer Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber wurde erfüllt vom Duft des Öls.»

In Bethanien wurde Jesus einmal zu einem Fest eingeladen. Aus den Informationen, die wir aus Matthäus 26 und Markus 14 erhalten, wissen wir, dass dieses Fest im Haus von Simon stattfand. Simon war ein Pharisäer aus Bethanien, den Jesus von Aussatz geheilt hatte. Simon war einst ausgestossen und dem Tod geweiht gewesen. Nun war er geheilt und mit Jesus befreundet. Auch Lazarus war dabei. So war das also ein Fest mit einem geheilten Aussätzigen und einem auferstanden Toten. Sie alle haben mit Jesus gefeiert, Geschichten erzählt, gelacht, getrunken und gegessen.

Plötzlich ganz unerwartet, schüttet Maria über Jesus ein extrem teures Parfüm aus. Dann salbte sie noch seine Füsse und trocknet sie mit ihrem Haar. Maria salbte Jesus wie einen König für sein Begräbnis (Vers 7).

Das Parfüm war dreihundert Dinare wert. Das war für die damalige Zeit ein Jahreslohn. Ein Parfüm für 50’000 Fr. findet man heute kaum auf dem Markt. Wahrscheinlich war es ein Erbe ihrer Familie. Es stellte ihre Ersparnisse, ihre Zukunft, ihre Sicherheit dar. Was für eine Hingabe, was für eine Liebe, die sie für ihrem Herrn damit zeigte!

Sie erinnert uns an die Worte des Apostel Paulus: «Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne.» Phil. 3,8

In Bethanien wurde Jesus für seinen unübertrefflichen Wert geehrt. Maria lehrt uns: Es gibt nichts, was zu teuer ist, um es ihm zu Füssen zu legen. Es ist kein Risiko, alles zu Jesu Füssen zu legen. Oder doch?

Als das Gefäss mit Parfüm über Jesus gegossen wurde, füllte der Duft das ganze Haus. Keiner konnte es übersehen, jeder roch es. Die Reaktion von Judas kam sofort: «Wozu diese Verschwendung? Man hätte damit vielen Armen helfen können.» Die Jünger verstanden nicht, warum Jesus in diesem Fall Luxus höher achtete als soziale Hilfe.

Es gibt wenig, das Gott mehr am Herzen liegt, als Notleidenden zu helfen. Aber über allem steht Christus. «Arme habt ihr immer, denen ihr helfen könnt,» sagt der Herr, «aber ich bin nicht immer da.» (Vers 8). Das heisst, Jesus hat eine grössere Bedeutung, als der beste Dienst. Kein Dienst darf seinen Platz einnehmen. Auch nicht der Dienst für Gutes. Und es gibt auf dieser Welt viel Gutes zu tun. Es gibt so viel Gutes für die Familie zu tun, für die Gemeinde, für die Notleidenden, für eigene die Gesundheit, für die Firma. Wir haben nie genug Zeit und Geld für alles Gute, das man tun könnte. Aber all das wird in seiner Gegenwart zweitrangig.

An diesem Fest in Bethanien lernen wir: Nichts, was wir für Jesus geben ist eine Verschwendung. Für Jesus ist das Beste von allem Guten gerade richtig. Für ihn dürfen wir alles verschwenden und zwar froh und rücksichtslos, so wie Maria es tat.

  1. In Bethanien wurde Jesus gedient.

Markus 11,11: «Und er ging hinein nach Jerusalem in den Tempel und er besah ringsum alles, und spät am Abend ging er hinaus nach Betanien mit den Zwölfen.»

Jesus ritt vor seinem Leiden auf einem jungen Esel als König in die Stadt Jerusalem ein. Bevor es am Abend dunkel wurde, verliess er die Stadt wieder und kehrte nach Bethanien zurück. Am nächsten Tag ging er erneut nach Jerusalem zurück. Auf dem Weg von Bethanien nach Jerusalem hatte er Hunger. Da fand er neben dem Weg ein Feigenbaum. Als er den Baum näher untersuchte, fand er daran keine Feigen, obwohl er voller Blätter war.

Dieser Baum  war geschaffen worden, um Jesus zu sättigen. Aber er hielt die Feigen zurück. Jesus verfluchte ihn deswegen, so dass er in kurzer Zeit vertrocknete.

Warum verfluchte Jesus diesen Baum, wo es doch nicht Zeit für Feigen war wie Vers 13 sagt. Da war es doch normal, dass Jesus keine Feigen fand. Man muss aber wissen, dass Feigenbäume dreimal pro Jahr Früchte tragen. Es gibt die Sommerfeigen im Juni, die Spätfeigen im Oktober und Frühfeigen im März. Die Frühfeigen sind ziemlich klein und nicht so süss, können aber trotzdem gegessen werden. Im März hätte Jesus Frühfeigen finden sollen, obwohl die eigentliche Erntezeit der besten Feigen erst im Juni war. Bei diesem Baum fehlten aber selbst die kleinen Frühfeigen. Er war also völlig unfruchtbar.

Dieser fruchtlose Feigenbaum ist ein Symbol für das fruchtlose Volk Israel. Er hat auch eine Botschaft für uns. Selbst wenn wir uns bemühen,

–          Jesus willkommen zu heissen,

–          unser Wertvollstes Jesus hinzugeben und

–          ihn als Herrn ehren,

enttäuschen wir ihn, wenn wir keine Frucht bringen.

Unsere Welt ist eine Konsumgesellschaft. Alles dreht sich um die Frage: Wie kann ich noch billiger einkaufen und das Leben bequemer für mich selber geniessen? Wie kann ich noch mehr Spass und Vergnügen haben?

Wenn wir diese Lebenshaltung in unser geistliches Leben hineinnehmen, wird unser geistliches Leben vertrocknen. Im Reich Gottes gibt es keine Konsumenten. Es gibt nur Dienende. Profiteure haben in der Ewigkeit keinen Platz. Darum werden alle seine wahren Nachfolger schon in dieser Welt lebendige Zeugen des Evangeliums sein. Seine wahre Gemeinde wird ein Lebensbaum für geistlich hungernde Menschen sein.

Auf dem Weg nach Jerusalem blieb Jesus also hungrig. Aber in Bethanien fand der Herr Jesus immer etwas zu Essen. In Bethanien bei den treuen Übrigen von Gottes Volk wurde er gesättigt. Dort wuchs eine Frucht für die Ewigkeit heran. So hat Gott auch heute noch ein Volk, das seine Frucht bringt! Gehören wir dazu?

  1. In Bethanien stieg Jesus zum Himmel auf

Lukas 24, 50-52: «Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude.»

Wie wir gesehen haben, gab es für Jesus in Bethanien ein Heim. Er fand dort Wertschätzung. Es gab dort eine Auferstehung. Und er fand dort gute Frucht. Aber Bethanien ist auch der Ort, an dem seine Himmelfahrt stattfand. Vielleicht denkt ihr, dass die Himmelfahrt doch auf dem Ölberg stattgefunden habe, wie es in Apg. 1,12 heisst. Bethanien liegt jedoch am Abhang an der südöstlichen Seite des Ölbergs. Das ist also kein Widerspruch.

Dort bei Bethanien breitete er seine Hände aus und verliess seine Gastgeber und Freunde in einer Wolke. Dort in Bethanien, versprachen Engel, dass Jesus in einer Wolke wieder zu ihnen zurückkehren würde.

Als Adventgläubige warten wir immer noch im «Bethanien dieser Welt» auf seine Rückkehr. Wir erleben Aussatz wie Simon, Tod und Krankheit wie Lazarus, Ärger wie Martha, Spannungen wie Maria. Aber Bethanien ist auch der Ort wo der Herr in den Himmel gefahren und seine Wiederkunft verheissen hat.

In Jerusalem wurde er gekreuzigt. Das stolze Jerusalem verachtete ihn. Darum verliess er diese Welt nicht auf dem Tempelberg in Jerusalem. Er ging nach Bethanien, nach Armenhausen, und ehrte es mit seiner Himmelfahrt. Bethanien ist darum ein Ort der Hoffnung in den Wirren des Lebens. In Bethanien ist seine Gemeinde, seine Familie.  Sie ehrte er mit diesem Höhepunkt.

So wünsche ich mir, dass wir im Jahr 2017 Bethanische Adventisten bleiben. Vielleicht sind wir dann verachtete Armenhäusler. Wenn wir aber Jesus ins Zentrum unseres Lebens unseres Glaubens und unserer Gemeinde stellen, wenn wir ihn ehren und für ihn Frucht bringen, besitzen wir das Grösste und Beste, was es gibt. Mehr brauchen wir nicht, bis Jesus zurückkommt. Einverstanden?

AZ 27.12. 2016

 

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